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meine geringsten Brüder

hier das folgende Zitat von der SELK im Original

Die zweite Aussage, über die nachzudenken sich lohnt, lautet: „meine geringsten Brüder“. Wer ist damit gemeint? Es geht dabei um die Menschen, die in Not waren und denen geholfen worden ist. Jesus nennt sie seine Brüder: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Sind die „Brüder“ nur ein Ausdruck für alle Christen? So verstehen wir den Begriff ja im Allgemeinen: Wir sind Schwestern und Brüder um Jesu willen, weil er uns durch den Glauben an ihn erlöst hat.

Das würde bedeuten, dass wir nur den Glaubensgeschwistern helfen sollten: sie mit Essen und Trinken versorgen, sie pflegen, besuchen, trösten, unterstützen, … Den Anderen bräuchten wir nicht zu helfen, weil Jesus nicht in ihnen ist.

Liebe Gemeinde, so können wir diesen Vers nicht verstehen! Das würde völlig gegen den Sinn der übrigen Heiligen Schrift gehen. Denken wir nur an die Bergpredigt des Herrn Jesus. Da spricht er z.B. von der Feindesliebe. Paulus rät den Christen im Rom, ihren Feinden Gutes zu tun und sich nicht vom Bösen überwinden zu lassen. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter lehrt uns Christus selbst, dass wir nicht nach Herkunft oder Glauben fragen sollen, wenn einer in Not ist. Wir sollen zupacken und ihm das Leben retten.

So stellt sich der Herr Christus auf die Seite aller hilfs- und trostbedürftigen Menschen. Er ist ihr Bruder – egal ob sie ihn kennen oder noch nicht.

Aber so alle Hilfsbedürftigen anzusehen – als Menschen, in denen uns Christus selbst begegnet – ist schon eine schwere Aufgabe! Wer kann sich jedem Bettler zuwenden? Wer kann alle Traurigen trösten, die einem begegnen? Wer geht freiwillig in die Krankenhäuser und Gefängnisse und besucht dort Menschen?

Es gibt solche Christen und sie haben all unseren Respekt und unsere Unterstützung verdient. Die Mehrheit der Christen wird allerdings merken, dass wir alle immer wieder neu auf die vergebende Liebe Gottes angewiesen sind. Aus dieser barmherzigen Liebe leben wir. Seine Liebe verschenkt sich, ohne zu fragen, was habe ich davon. Gott liebt ohne Berechnung.

Das Wort Berechnung führt auf einen ganz zentralen Punkt in dieser Rede vom Weltgericht hin. Als die Menschen, die auf die rechte Seite gestellt werden und die ins Paradies kommen sollen, von ihrem Urteil erfahren, fragen sie ganz erstaunt: Wann haben wir das getan? Es war ihnen nicht bewusst, dass sie durch ihre Nächstenliebe, die sie hier und dort geübt haben, etwas Besonderes getan haben. Sie haben es von ganzem Herzen, aus freien Stücken und gerne getan. Es war für sie selbstverständlich.

Ist es für uns selbstverständlich, Essen, Trinken und Kleidung zu verschenken, Fremde zu beherbergen, Kranke und Gefangene zu besuchen?

Für viele schon, wenn ihnen die Not direkt greifbar vor Augen steht.

Die Menschen, die ins Paradies kommen, für die ist das Helfen, Trösten und das Mit-Anpacken eine Selbstverständlichkeit. Sie haben es getan, weil es ihnen ihr Glaube einfach so gesagt hat. Sie haben nicht aus Berechnung geholfen. Ja, ihnen war nicht einmal bewusst, dass sie ein gutes Werk getan hatten. Sie haben’s getan – einfach so, weil sie nicht anders konnten.

Letztlich entscheidet die Liebe zu Gott – und damit die Liebe zu den Menschen. Wo diese Liebe echt ist, da findet sie ihren Ausdruck in Taten der Liebe. Aus dieser vielleicht unbewussten Motivation heraus, setzen sich Christen auch für „Ungläubige“ und Menschen am Rande der Gesellschaft ein. Gerade darum haben viele Heiden in den ersten Jahrhunderten, bevor das Christentum Staatsreligion wurde, über die Christen gestaunt. Die haben sich nämlich selbstlos für andere, Verachtete und Verlorene eingesetzt. Die haben nicht gefragt, wie zahlt sich das für mich aus? Was habe ich davon?

Gerade diese gelebte Nächstenliebe hat den Glauben an Christus so anziehend gemacht, so dass viele neugierig wurden und sich haben taufen lassen.

Liebe Christen, am Anfang stand die Frage: Wie werden wir im Letzten Gericht bestehen? Wenn wir daran denken, dass Jesus nicht nur nach dem Glauben fragt, sondern auch wie wir unseren Glauben gelebt haben, mögen wir innerlich zu Recht unruhig werden.

Aber lasst uns eins nicht vergessen. Der uns in der Auferstehung als König im Gericht empfängt, der ist auch der, der für dein und mein Versagen ans Kreuz gegangen ist. Wer sich im Glauben nur ganz und gar auf ihn verlässt, dem wird er gnädig sein.

Aus dieser Gnade heraus leben wir. Aus dieser Gnade heraus lieben wir auch – nicht nur die „Glaubensgenossen“ sondern auch den, der meine Hilfe nötig hat.

Nicht jedem werden wir helfen können, so wie er es sich von uns wünscht. Darum bleiben wir auf die Gnade Gottes im Gericht angewiesen.

Diesem Gericht dürfen wir – trotz aller Furcht - mit großer Zuversicht entgegengehen. Denn Jesus Christus ist der Richter. Er entscheidet, er entscheidet über unsere Zukunft im Gericht. Gott sei Dank, dass der Herr Christus entscheidet. Er ist unser Richter, aber auch unser Erlöser. Amen.

Lasst uns beten: Herr, Gott, himmlischer Vater, wir danken dir, dass du uns durch dein Wort erleuchtest, mahnst und tröstest. Hab Dank, dass du uns durch Christus, unseren Erlöser, richten lässt. Wir bitten dich, dass wir im Glauben gestärkt werden, um dir in Treue nachzufolgen und unseren Nächsten auch mit der Tat

zu lieben. Das bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

 

Gemeinde: Amen.

 

Kanzelsegen: Und der Friede, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Gemeinde: Amen.

 

Liedvorschläge: So jemand spricht: „Ich liebe Gott“ (ELKG 523)

Liebe, die du mich zum Bilde, (ELKG 255)

Herr Jesu, Gnadensonne (ELKG 258)

Ein wahrer Glaube Gotts Zorn stillt (ELKG 246)

Herzlich lieb hab ich dich, o Herr (ELKG 247)

 

Verfasser: Sup. Markus Müller

Kirchstrasse 15

29331 Lachendorf

Tel.: 05145 89 51

e-mail: Celle-Lachendorf@selk.de

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